Von den Predigern des Todes 2006

Tusche

"Es gibt Prediger des Todes: und die Erde ist voll von Solchen, denen Abkehr gepredigt werden muss vom Leben. Voll ist die Erde von überflüssigen, verdorben ist das Leben durch die Viel zu Vielen. Möge man sich mit dem 'ewigen Leben' aus diesem Leben weglocken! 'Gelbe': so nennt man die Prediger des Todes, oder 'Schwarze'. Aber ich will sie euch noch in andern Farben zeigen. Da sind die Fürchterlichen, welche in sich das Raubthier herumtragen und keine Wahl haben, es sei denn Lüste oder Selbstzerfleischung. Und auch ihre Lüste sind noch Selbstzerfleischung. Sie sind noch nicht einmal Menschen geworden, diese Fürchterlichen: mögen sie Abkehr predigen vom Leben und selber dahinfahren! [...]

Und auch ihr, denen das Leben wilde Arbeit und Unruhe ist: seid ihr nicht sehr müde des Lebens? Seid ihr nicht sehr reif für die Predigt des Todes? Ihr Alle, denen die wilde Arbeit lieb ist und das Schnelle, Neue, Fremde, - ihr ertragt euch schlecht, euer Fleiss ist Flucht und Wille, sich selber zu vergessen. Wenn ihr mehr an das Leben glaubtet, würdet ihr weniger euch dem Augenblicke hinwerfen. Aber ihr habt zum Warten nicht Inhalt genug in euch - und selbst zur Faulheit nicht! Überall ertönt die Stimme derer, welche den Tod predigen: und die Erde ist voll von Solchen, welchen der Tod gepredigt werden muss. Oder 'das ewige Leben': das gilt mir gleich, - wofern sie nur schnell dahinfahren!

Also sprach Zarathustra."

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